Unterwäsche aus Blech | Träumen Sie gerne?

 

Träumen Sie gern mal, wie die Welt wäre, wenn…?

Manchmal lasse ich mich dazu hinreißen, einen Gedanken einfach mal soweit zu spinnen, bis es schon beinahe lächerlich wird. Andererseits hätte es an vielen Stellen der Geschichte ja tatsächlich ganz anders laufen können, wenn eben irgendein kleiner Faktor anders gelaufen wäre.

Träumen wir also einfach mal elektrisch! Ende des neunzehnten Jahrhundert – also um 1880-90 herum- war die Entwicklung von Elektromotoren und Batterien tatsächlich bereits recht weit fortgeschritten und auf dem Weg schnell voranzuschreiten. Allgemein gelten bekanntlich Carl Benz und Gottlieb Daimler als Erfinder des Automobils, jedoch gab es bei genauer Betrachtung der Geschichtsbücher bereits einige selbst fahrende Kutschen OHNE Pferde, bevor Benz 1886 sein Patent auf den Motorwagen erhielt.
Nicht wenige davon rollten mit Dampf oder sogar elektrisch angetrieben. Auch in der weiteren Frühzeit des Automobils, bis hinein in die 1920er Jahre gab es in vielen Städten mehr elektrische Autos, als welche mit Benzinmotoren.

gb_432Patentmotorwagen von Carl Benz (Replica im National Motor Museum of Beaulieu)

Dies hatte den einfachen Grund, dass „Tankstellen“ im heute bekannten Sinn nicht existierten und die Beschaffung von Treibstoff entsprechend schwierig war, während man Strom in vielen Ortschaften bereits hatte und von den vorhandenen Leitungen abzweigen konnte.

Nun denken wir an dieser Stelle den Gedanken einfach mal konsequent weiter. Was wäre gewesen, wenn, wie eingangs überlegt, die Entwicklung der Elektromotoren und zugehöriger Akkus weiter betrieben worden wäre und eventuell sogar durch staatliche Förderungen die „Stinkekarren“ (so wurden benzinbetriebenen Autos tatsächlich anfänglich oftmals bezeichnet) eine Nischenrolle erhalten hätten. Vermutlich wären heutige Diskussionen um zu geringe Reichweiten und zu lange Aufladezeiten längst ein Thema der Vergangenheit.
Mehr noch, Diesel- oder Benzinmotoren würden wahrscheinlich als Relikte im Museum bestaunt, während draußen auf dem Parkplatz die lautlose Mobilität Wirklichkeit wäre.

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Andererseits wäre genau das der erklärte Albtraum jenes Autors, der hier gerade in die Tasten klimpert. Natürlich muss gerade in unserer heutigen Zeit möglichst alles für den Erhalt der Umwelt getan werden und dazu zählt mit Sicherheit auch eine Verbesserung im Individualverkehr. Jedoch sind zumindest die heutigen Elektrofahrzeuge alles, aber nicht umweltverträglich.
Die Methoden der Batterieherstellung sorgen für auf Jahrhunderte hin unbrauchbare Landstriche, die Entsorgung der Akkus ist in keiner Weise geklärt und der dazwischen liegende Lebenszyklus von sieben bis maximal zehn Jahren ist wohl eher als Scherz, denn ernst gemeint.

FAZIT | Auch wenn die Fahrer und Fans von E-Autos immer gern auf ihre guten Ökobilanzen hinweisen: Der Strom wächst ebenso wenig auf Bäumen wie das Benzin der traditionellen Autos.

Wäre also vor rund 125 Jahren die Entwicklung der Elektroautos weiter vorangetrieben worden, hätten erst einmal diverse Fragen geklärt werden müssen. Deren Antworten finden selbst hoch bezahlte Wissenschaftler in unserer heutigen Zeit nicht, wäre das also damals besser gewesen? Wohl kaum.

Umso schöner, wenn man mit dem heutigen Wissen auf damalige Ereignisse zurückschaut, die wenigen überlebenden Elektro- und Hybridautos dieser Ära im Museum betrachtet und dabei denkt: Damals war nicht alles besser.

 

Autor | Matthias Kierse | carsdaily.de

Fotos | Wolfgang K. Elges

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