Kopfschüsse | Gewohnheitsmäßiger Linksabbieger

 

Mein Name ist Joker Planix.
Ich habe Schmerzen!!!
Nein, keine körperlichen Schmerzen.
Aber eben Schmerzen, mehr so im Bereich des Wollens.
Weil ich abbiegen will!
Besser noch, ich muss!
Oder sollte ich sagen, ich SOLLTE?

links abbiegen

 

Ich fahre soeben auf das Ende der Straße zu. Würde ich nun den Verkehrszeichen folgen, bliebe mir nur die Möglichkeit links abzubiegen. Aber wieviel interessanter wäre es doch, einfach mal rechts rum zu fahren. In diese nette, enge Einbahnstraße, selbstverständlich gegen die Fahrtrichtung. Oder vielleicht einfach geradeaus in diese nette Fußgängerzone? Auf Besuch zum Klassenfeind Nummer Eins der Autofahrer, dem Fussgänger! Die wutrot unterlaufenden Augen der mir entgegenkommenden und zur Seite hüpfenden Plastiktütenträger würden mich wirklich reizen.

Ich fahre eine verdammt schnelle Kiste, habe keine Angst vor unbändiger Beschleunigung oder G-Kräften in Kurven. Da soll ich mich einer linksdrehenden Vorschrift beugen, nur weil da ein Schild steht, welches mir vorschreibt wohin ich zu lenken haben?

Wer weiß denn überhaupt, was sich hinter der Biegung verbirgt. Ein lausiges Schicksal? Oder vielleicht besseres Wetter? Und wer hat überhaupt dieses Gesetz gemacht? Ich bin jedenfalls nicht gefragt worden!

Ok. Ich könnte mir sagen: Es ist, wie es ist. Ich kann es nicht ändern. Aber genau dabei bekomme ich Schmerzen. Ein gedankliches Schleudertrauma. Das versteht nicht jeder, die Fußgänger schon mal gar nicht.
Esnicht ändern können klingt so devot gegenüber dem Schicksal, ist es doch so überaus feige sich ihm zu ergeben.

Da steht also das Schild und auf dem steht: Nur links! Nicht rechts, nicht geradeaus! Fahre ich geradeaus, bekomme ich Ärger mit diversen Plastiktütenschleppern. Bieg ich rechts ab, stehe ich im Gegenverkehr. Ich bekomme Ärger, außer ich folge.

Nichts zu machen. Ich muss gehorchen.

Also nach links! Egal, was da kommt, egal was mich da erwartet. Ich will aber nicht nach links… . Warum soll ich tun, was mir ein langweiliges Schild vorschreibt? Schon dieses Wort ‘Vorschrift’ klingt irgendwie wie ‘Vorgeschichte’, was schon für sich gesehen auf ein ‘Vorleben’ hinzudeuten scheint, was wiederum den Anschein von Zwielichtigkeit in sich trägt…

Wie viele Filme hab ich mir angeschaut, in denen sich irgendwelche Helden mit einem „Yippie Ya Yeah!!!“ gegen die ‘Laufrichtung’ durch den Verkehr bewegten. Gut, im  Kino bleibt das in der Regel konsequenzlos. Da stirbt niemand in echt. Das ist in der Realität dann schon ein Problem. Im Verurteilsdeutsch würde ich im Falle meines Rechtsabbiegens dann nämlich Geisterfahrer heißen. Aber mal unter uns: Jeder will mal doch mal gegen die Fahrtrichtung fahren… . ‘Nur tote Fische schwimmen mit dem Fluss!‘

Ich aber will leben, eine Ausstiegsluke aus dem Einerlei der Automatik haben; den Wechsel der Fahrtrichtung, um dieser schnöden, alltäglichen Angepasstheit zu entfliehen. Ich will Konzentration statt Autopilot. Fahr ich links, weil’s da auf dem Schild steht, bin ich auf Autopilot, fahr ich rechts oder geradeaus, erlebe ich Neues; erfülle ich mich mit Leben.

Eine Herausforderung!
Das ist es mir wert.
Ich habe das verdammte Recht dazu, weil ich lebe…!

Also doch geradeaus!

Ich hupe!

 

Autor | Joker Planix

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